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Aktuelles · Psychotherapie

Oh du besinnliche Weihnachtszeit … wenn das Fest zur Belastung wird

Von Angelika Isabelle Fritsch-Marko

Die Weihnachtsatmosphäre, oder das, was man sich darunter vorzustellen pflegt, bringt eine eigene Gemütsbelastung mit sich. Gewollt, wenn nicht sogar werbepsychologisch gesteuert. Das hat gute wie problematische Seiten.

Weihnachten als Überforderung

Unterschätzt wird gerne die zwischenmenschliche Belastung. Oft sieht man sich das ganze Jahr nicht, kommt aber wenigstens an Weihnachten „nach Hause“ – und genau das wird zum Stress eigener Art.

Erwartungen an Familienharmonie, an Ruhe, Entspannung und Festlichkeit treffen auf Küchendienst, verunglückte Geschenke, das vergebliche Bemühen, es allen recht zu machen, und den kaum unterdrückbaren Wunsch nach dem Weihnachtsglück der Kindheit. Für einen Durchschnittsmenschen ist das eine schlichte Überforderung.

Nach der ersten Euphorie wird es räumlich und psychologisch immer enger. Alte, meist ungelöste Konflikte kommen wieder zum Vorschein oder brechen eruptiv durch. Das wäre nicht einmal falsch, wenn man sie tatsächlich austragen würde. Doch nun droht das zweite Problem: der weihnachtliche Zwang zu Frieden, Liebe und Besinnlichkeit – eine demonstrative Gefühlsfassade, die manche als „erzwungenen häuslichen Frieden“ beschreiben.

Was Weihnachten so belastend macht

Eine Emnid-Umfrage im Auftrag der Zeitschrift chrismon nannte diese Gründe (Mehrfachnennungen möglich):

  • Zu hohe Erwartungen an die Harmonie – mehr als jeder Dritte. Menschen mit hoher Schulbildung deutlich häufiger als andere.
  • Zu viele Besuchsverpflichtungen – jeder Fünfte, vor allem Jüngere.
  • Zu reichlich Alkohol – jeder Zehnte.
  • Streit ums Fernsehprogramm – regional sehr unterschiedlich.
  • Enttäuschende Geschenke – nur jeder Zwanzigste.
  • „Ich kann mir nicht erklären, warum Weihnachten so belastend sein soll“ – jeder Fünfte.

Bleiben im Kern zwei Faktoren, die jeder selbst steuern kann: zu viele Illusionen und zu viele Kontaktverpflichtungen auf einmal. Dazu kommt die Gegenbewegung, die eher zunimmt: die Zahl der Menschen, die Weihnachten allein sind.

Was hilft

Die Antwort ist jedes Jahr dieselbe – und gerät jedes Jahr wieder in Vergessenheit:

  • Bei Essen und Alkohol Maß halten.
  • Dafür mehr Bewegung: der tägliche Gang nach draußen, am besten in der Natur und bei Tageslicht. Gerade in der dunklen Jahreszeit lindert das depressive Verstimmungen und Angstzustände.
  • Sich rechtzeitig dem hohen Reizpegel entziehen: Licht, Lärm, Menschenmengen, Warenangebote, Zerstreuung.
  • Sich stattdessen auf die kleinen Dinge konzentrieren, die man sonst übersieht.
  • Zufriedenheit, Freundlichkeit, echte Gemütswärme, Zuhören und Lachen bewusst trainieren.

Und natürlich: Erstellen Sie sich Ihr persönliches Glücks-Konzept.

Angelehnt an Zahlen und Überlegungen von psychosoziale-gesundheit.net und chrismon 12 (2001).

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Herzlichst, Ihre Angelika Isabelle Fritsch-Marko